Flaschenlamm

Flaschenlamm

Habe ich während der Vorbereitung auf die Lammzeit noch hier erwähnt, dass ich einen Erfahrungsbericht über den Einsatz von Liebesperlen Flaschen bei Flaschenlämmern schreibe, so habe ich nie wirklich geglaubt, dass ich einen solchen Text einmal verfassen muss. Aber im Leben kommt es leider immer anders als man denkt. Direkt in unserem zweiten Jahr durfte ich ein Flaschenlamm groß ziehen.

Die kleine Lotta war höchstens ein paar Stunden alt, als ich morgens auf die Wiese kam und sie laut schreiben hörte. Ein kleines nasses schwarzes Etwas, dass auf seinen langen dünnen Beinen auf mich zu gewankt kam. Sofort war klar, hier stimmt etwas nicht. Lisbet lag im Unterstand auf der Seite. Lotta muss sie bei der Geburt innerlich verletzt haben. Als vorbildliche Mutter hat Lisbet es aber anscheinend noch geschafft, Lotta trinken zu lassen. Also schnell das kleine Würmchen eingepackt und nach Hause gefahren.

Für die erste Mahlzeit, die keine richtige war, musste die Milch herhalten, die noch im Kühlschrank stand. Ein bisschen aufgewärmt, dass sie Zimmertempartur hatte und anschließend in das kleine Fläschchen gefüllt und Lotta vorsichtig in den Mund geschoben. Damals habe ich gedacht, diese Tatsache würde ausreichen und Lotta so Milch aufnehmen. Allerdings sei angemerkt, wenn Lämmer trinken, dass merkt man dies sehr deutlich. In der Zwischenzeit wurde Lotta vorsichtig trocken gerübbelt und zunächst in einem Wäschekorb mit Handtüchern an einen ruhigen Ort gestellt. Immer wieder (Abstand kann ich schwer schätzen) haben wir versucht Lotta die Flasche zu geben und irgendwann hat sie dann selbstständig angefangen zu saugen. Ab da ging es eigentlich nur noch bergauf.

In den ersten Tagen hat sie zwischen den Trinkpausen und den kleinen Spaziergängen bzw. Besuchen an der Weide viel geschlafen aber nach und nach war sie ständig auf Entdeckungstour. Direkt ab dem ersten Tag haben wie sie immer wieder mit zu den Schafen genommen, damit sie Kontakt aufbaut. Trotzdem hat sie die ersten 6 Wochen ihres Lebens mehr am und im Haus verbracht als auf der Weide. Spaziergänge hat sie mit den Hunden absolviert (und zu dem Zeitpunkt besser auf ihren Namen gehört als der Rest) und sich dabei den Hunde-Opi als Spielpartner ausgesucht. Selbstverständlich sollte man so etwas nur machen, wenn man seine Hunde diesbezüglich gut einschätzen kann. Tagsüber hat sie den Garten unsicher gemacht und anfangs noch in ihrem Hundekorb mit in meinem Zimmer geschlafen. Als dieser nicht mehr ausreichend war, ist sie in eine große Hundebox mit angebautem Auslauf umgezogen.

Alleine bleiben fand sie aber schon immer blöd und musste ihren Unmut dann immer ein paar Minuten durch Protestgejammer kund tun. Zum Glück hatte sie immer einen gesunden Appetit und ist daher schön gewachsen. Nach 6 Wochen habe ich sie tagsüber mit einigen anderen Schafen im Stall gelassen, damit sie mehr Kontakt aufnimmt und nicht alleine warten muss. Die Flasche gab es in dieser Zeit noch etwa sechs bis acht Mal am Tag (das letzte Mal abends gegen 22 / 23 Uhr und morgens um 6 wieder).

In der sechsen bis zehnten Woche habe ich die Rationen immer mehr verringert, so dass ich nach zehn Wochen nur noch ein bis zwei Mal am Tag gefüttert habe. Lotta hat in dieser Zeit auch gelernt, mit den anderen Schafen auf der Wiese zu laufen. Anfangs nur in einem kleinen Bereich, später dann auch auf der großen Wiese. Allerdings musste man immer aufpassen, dass sie nicht durch den Zaun kletterte um schneller an ihre Flasche zu kommen (wie gesagt, Apettit war schon immer groß).

Nach 10 Wochen gab es maximal noch 1 mal am Tag die Flasche und an manchen Tagen auch gar nicht. Trotzdem kam Lotta ständig angelaufen, wenn sie mich gehört oder gesehen hat. Und dabei gab es stets lautes Gemecker, warum ich so lange habe auf mich warten lassen. In dieser Zeit habe ich auch damit angefangen, sie auch über Nacht auf der Wiese zu lassen. Anfangs noch im Stall, nach kurzer Zeit aber dann schon draußen. Die ersten zwei Nächte war sie morgens sehr entrüstet (hat ja keine Mutter, die sie wärmt), aber danach lief alles sehr entspannt. Zu gemeinsamen „Hunderunden“ haben wir sie zwischenzeitlich trotzdem immer noch abgeholt und sie fand es toll, gekrault zu werden.

Mit 14 Wochen war die Zeit des Flasche gebens dann entgültig vorbei und Lotta ein vollwertiges Schaf. Die nächsten Wochen ist sie trotzdem noch jedes Mal angerannt gekommen, wenn sie mich gesehen hat, aber das hat sich zum Glück gelegt, so dass man sie heute nicht von den anderen Schafen unterscheiden kann, wenn ich die Wiese betrete. Ungefähr so habe ich mir eine gelungene Aufzucht mit der Flasche vorgestellt. Und auch wenn es spannend war, so ein kleines Geschöpf beim Aufwachsen unterstützen zu dürfen, so ist es auch jede Menge Arbeit und ich hoffe sehr, dass ich nicht noch einmal in diesen Genuss kommen darf.

Man muss an dieser Stelle auch noch einmal betonen, ohne Rückhalt und jede Menge Hilfe aus der Familie hätte ich es wohl nicht geschafft und die kleine Lotta abgeben müssen. Vollzeitjob und Flaschenlamm, dass wäre ohne Unterstützung doch zu viel geworden und ich hätte mich nicht vernünftig um Lotta kümmern können. So ist sie aber der ganzen Familie ans Herz gewachsen und wird selbstverständlich nicht verkauft, auch wenn es bereits sehr viele Anfragen gab.