Ouessant ≠ Ouessant

Ouessant ist nicht gleich Quessant

Wie sagt man doch so schön, es ist nicht alles gold was glänzt!? Leider gilt diese Redewendung auch beim Kauf – und natürlich auch Verkauf – von Ouessantschafen. Wer beschlossen hat diese liebenswerte Rasse zukünftig halten zu wollen, für den gibt es im Vorfeld einige Dinge, auf die man achten kann (oder sollte!) um möglichst sicher zu gehen, dass man tatsächlich reinrassige Schafe kauft und keine Mischlinge.

Aufhorchen sollte man, wenn der Verkäufer die Tiere in seiner Anzeige als „Quessantschafe“ betitelt. Der Name der Rasse ist festgelegt und der beginnt nun einmal nicht mit einem Q. Wer sich ein wenig mit der Rasse auseinandersetzt, der wird seinen Fehler sicherlich schnell bemerken. Bei solchen Verkäufern ist also vorsicht geboten.

Zwergschafe gibt es nur in den, im Rassestandart festgelegten, Farben schwarz, weiß, braun, grau und schimmel. Schafe die Abzeichen oder Flecken haben, sind einer großen Wahrscheinlichkeit nach nicht reinrassig. Oft werden andere kleine Rassen wie Kamerunschafe eingekreuzt.

Bei Zwillingsgeburten sollte man als Käufer ebenfalls hellhörig werden. Diese sind bei reinrassigen Ouessantschafen sehr selten und als Zuchtziel nicht erwünscht. Bei Skudden hingegen sind Zwillinge sehr häufig, es liegt also der Verdacht nahe, dass es sich um eine Kreuzung zwischen Skudde und Ouessantschaf handelt. Auch diese Einkreuzung kommt sehr häufig vor. Ein weiteres Anzeichen ist die Ablammung im Herbst. Ouessant sind in aller Regel saisonal und kommen im Herbst in die Brunft, so dass Lämmer normalerweise im Frühjahr bzw. Frühsommer geboren werden. Einzelne Ausnahmen sind möglich, z.B. wenn der Bock erst im März wieder zu den Muttertieren gestellt wurde. Hier wäre es hilfreich bei dem Verkäufer genauer nachzufragen.

Ein Punkt den man sicherlich nicht außer acht lassen sollte ist die Größe. Auen die deutlich über den geforderten 46cm liegen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit nicht 100% reinrassig. Für Böcke gilt selbstverständlich das gleiche. Wichtig ist auch, die Größe wird in der Regel am Rücken gemessen und da am höchsten Punkt. Traut euch also ruhig vorher zu fragen, ob es möglich wäre die Tiere zu messen.

Wenn man ganz sicher gehen möchte, reinrassige Ouessantschafe zu erwerben, sollte man ein wenig tiefer in die Tasche greifen (Qualität hat auch hier – wie überall – ihren Preis) und sich bei einem Herdbuchzüchter seine Tiere kaufen. Bitte nicht falsch verstehen, auch diese Tiere können zu groß sein, aber hier hat man nachweislich über Generationen reinrassige Tiere miteinander verpaart. Das erleichtert es dem Anfänger, geeignete Tiere auszusuchen. Ich möchte auch keine ambitionierten Hobbyhalter schlecht darstehen lassen. Persönlich sind mir einige bekannt, die sich der oben geschilderten Problematik bewusst sind und die in ihrer Zucht diesem „Trend“ ebenfalls entgegenwirken. In diesem Fall gilt, möglichst viel über die einzelnen Tiere und die Zuchtgedanken des Verkäufers erfragen und nach Möglichkeit sich die Tiere vorab persönlich anschauen.

Hörner bei Mutterschafen sind gelegentlich auch ein Anzeichen, dass Schafe eher Mischlinge sind. Es gibt zwar auch weibliche Ouessantschaft die Hörner tragen, dies ist aber mittlerweile recht selten geworden, da es bei fast allen Züchtern eher nicht gerne gesehen ist. Auch hier gilt, bitte immer genau beim Verkäufer nachfragen. Besonders wenn man züchterisch tätig werden möchte, da es sein kann, dass die Hörner sich weiter vererben.

Warum ich dieses Thema überhaupt aufgreife? Durch die vielen Einkreuzungen mit verschiedenen Rassen geht das ursprüngliche Ouessantschaf und die Eigenschaften, die es so liebenswert machen, immer mehr verloren. In der Interessengemeinschaft Ouessantschaft gibt es sogar eine kleine Arbeitsgemeinschaft, die es sich zum Ziel gemacht haben, rein bretonische Linien in Deutschland zu erhalten und nach möglichkeit auszubauen. Dies muss natürlich nicht jeder umsetzen oder gar wollen, aber es ist ein kleiner Schritt zum Erhalt der Rasse.