Besuch vom schafzuchtverband 2

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Besuch vom Schafzuchtverband 2

Es ist vollbracht, der Termin zur Herdbucheintragung liegt nun hinter mir und den Schafen. Bei kaltem Wetter aber schönstem Sonnenschein durfte ich einen sehr lehrreichen Vormittag mit den beiden Mitarbeitern vom Schafzuchtverband verbringen. Alle Sorgen und Befürchtungen waren also (mal wieder) vollkommen umsonst.

Auch wenn der Wetterdienst keinen Regen gemeldet hatte, mussten die Schafe gestern Abend bereits in die entsprechenden Buchten umziehen. Die Herren der Schöpfung waren alles andere als begeistert. Besonders Jupp bevorzugt es, sich frei bewegen zu können. Ganz nach dem Motto das Leben ist kein Wunschkonzert, haben es aber alle Tiere ohne großen Stress überstanden.

Die Eintragung selber lief ebenfalls sehr ruhig ab. Angefangen wurde mit den Lämmern von diesem Jahr. Besonderes Augenmerk wurde bei allen Tieren auf den Zustand der Zähne gelegt. Da ich diese bereits im Vorfeld kontrolliert hatte, war ich auf das Schlimmste vorbereitet. Aber es war spannend zu sehen, welche Zahnstellung gewünscht ist und das die Farbe eine eher nebensächliche Rolle spielen kann. Dem Zuchtwart war aber durchaus bekannt, dass Ouessantschafe sehr anfällig für Zahnprobleme sind, daher finde ich es sehr gut, dass hier ein hoher Standart festgelegt wurde. So bin ich für das nächste Jahr schlauer und weiß, worauf ich bei den Schafen noch mehr achten muss. Man lernt ja dazu ;)

Die Schafe wurden einzeln herausgefangen und zunächste die Nummer der Ohrmarke notiert. Anschließend wurden die Zähne begutachtet und anschließend wurde die Wolle und die Bemuskelung durch einige Griffe geprüft. Ein abschließendes Bild zur Bemuskelung und der äußeren Erscheinung brachte dann zum Schluss der Freilauf der Tiere. Hier war es besonders spannend zu hören, welche Schwachstellen die einzelnen Tiere haben. Bei einigen war die Stellung der Hinterbeine nicht optimal, bei anderen die Oberlinie nicht so gerade wie gewünscht. Es war interessant festzustellen, dass mir einige dieser Dinge bereits im Vorfeld aufgefallen sind, aber die verflixte rosarote Brille vernebelt einem ja manchmal die Sicht.

Man hat ja so seine Lieblinge und besonders gefreut hat mich, dass die beiden Lämmer, die meine persönlichen Favoriten waren, auch den beiden Mitarbeitern vom Schafzuchtverband gut gefallen haben. Melitta und Emma (Halbschwestern) haben daher beide eine WBE 7/8/8 bekommen. Der heimliche Star der Eintragung war aber ausgerechnet das Schaf, von dem ich dies nicht erwartet hätte. Blanca ist für ein Lamm recht groß, wirkt sehr stämmig und sieht immer ein bisschen zerzaust aus (kommt davon, wenn man immer mitten in den Brennesseln fressen muss) und hat dazu noch braune Zähne. Die beiden Zuchtwarte waren aber absolut begeister sowohl von der Wolle als auch dem tollen Exterieur und so gab es mit WBE 8/8/9 die beste Beurteilung des Tages. Hervorgehoben wurde noch einmal extra ihre tolle dunkelbraune Färbung. Wer hätte gedacht, dass es so ausgeht. Ich jedenfalls nicht. Freuen tue ich mich natürlich trotzdem.

Während der ca. 1,5 Stunden wurden auch allerhand Dinge rund um die Herdbuchzucht besprochen und ich konnte fleißig Notizen machen, was ich noch alles erledigen möchte und welche Recherchen demnächst auf mich zu kommen. Alle Fragen wurden bereitwillig beantwortet und Sachverhalte verständlich erklärt. Gleichzeitig wurde nichts schön geredet und man bekam sehr hilfreiche Tips. So wollte ich ursprünglich mein „Schröddelschaf“ gerne in diesem Jahr eintragen lassen, da sie ein recht nettes Lamm hatte. Da sie aber eben (m)ein Schröddelschaf ist war ich mir sehr unsicher. Auf Grund des langen Durchfalls steht sie aktuell noch nicht so gut da wie die anderen. Sie hat zwar in den letzten Wochen deutlich Gewicht zugenommen, aber insgesamt wirkte sie noch etwas ausgezehrt. Ein prüfender Blick auf die Zähne und vom Zuchtwart kam das Ok. Sehr gutes Gebiss, aber er empfahl, noch ein Jahr zu warten, um dem Schaf auch wirklich von der Beurteilung her gerecht zu werden. Jetzt wäre sie vielleicht schlechter bewertet worden, als sie eigentlich ist. Also ist Momo das einzige (weibliche) Schaf, dass aktuell nicht eingetragen ist. Bei den Böcken ist es Constantin, der allerdings zunächst noch genotypisiert werden muss, um gekört zu werden. Wer weiß, vielleicht fahre ich im nächsten Jahr mit Bock und Border Collie nach Haus Düsse ;)

Etwas nachdenklich gestimmt hat mich, dass die Tiere ohne Papiere, die ja nun ins Vorbuch eingetragen werden, fast immer besser abgeschnitten haben als die Herdbuchtiere. Allerdings muss man natürlich auch sagen, dass eine Herdbucheintragung nicht zu vergleichen ist mit einer Ausstellung der IGOU. Dort wird sich am Rassestandart orientiert, während bei der Eintragung recht wenig auf die individuellen Eigenheiten der Rasse eingegangen wurde. Es ist trotzdem sehr interessant zu sehen, wie ein Außenstehender, in meinem Fall sogar zwei, die Tiere beurteilen und wer die Prioritäten wo legt.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnissen meiner Schäfchen, bin aber natürlich noch mehr auf das nächste Jahr gespannt, wenn die ersten eigenen Lämmer (Alpina wurde ja bereits bei den Vorbeitzern „geplant“) bewertet werden :)

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